Weltbürgertum – wo ist das Problem ?

Im Beitrag „Vom Individuum zum Weltbürger – Unsere schwierige Reise vom Ich zum Wir“ wurde bereits etwas ausfühlicher beschrieben, dass wir Menschen das Bedürfnis haben uns Bestätigung, Anerkennung, Zuwendung und Liebe bei anderen Menschen zu holen. Idealerweise funktioniert das bereits innerhalb der eigenen Familie und weiteren kleineren bis mittleren Gruppen, denen wir uns freiwillig anschliessen. Alternativ, oder darüberhinaus, wird auch gerne mal ein Haustier angeschafft. Cliquen, Vereine, Parteien entstehen, um Interessen, Unternehmungen und Zeit miteinander zu teilen. Menschliches Gruppenverhalten besteht üblicherweise auch darin, sich mit anderen Gruppen zu befreunden, oder aber Feindbilder zu pflegen. In der Politik und beim Fußball, Stichwort Hooligans, finden wir viele solche Beispiele. Unsere soziale Herkunft spielt dabei eine wichtige Rolle.Je größer eine Gruppe wird, desto schwieriger wird es die Einheit dieser Gruppe zu bewahren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Abspaltung der Linken von der SPD. Wenn Werte nicht mehr geteilt werden, dann werden sie eben aufgeteilt.

krishnamurti

Die größte aller vorstellbaren Gruppen ist die Menschheit als ganzes – allerdings nur für Atheisten wie kurz angemerkt sei. Für Menschen, die an das Konzept einer  –  eventuell auch wiederkehrenden  – Seele glauben, stellt die Gesamtheit aller Seelen, von manchen auch als „Gott“ bezeichnet, unsere größte Gesamtheit und Einheit dar. Nicht nur in der Religion, oder bei Schillers Gedicht „An die Freude“ – vertont in Beethovens 9.Sinfonie und seit 1985 offizielle Hymne der Eoropäischen Gemeinschaft, sondern auch im Kommunismus und Sozialismus hat unsere Tendenz zur Vereinigung in großen Gruppen historisch betrachtet einen Ausgang gefunden.  Die Parole „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ ist Ausdruck einer globalen Sichtweise, allerdings noch auf nationaler Ebene, während das politisch rechte Spektrum, weiterhin zur nationalen und nationalistischen Sichtweise tendiert. Durch den brutalen und  totalitären Zwangskommunismus der ehemaligen UDSSR und in der DDR ist das Modell Sozialismus erst einmal gescheitert. Der Name „MS Völkerfreundschaft“ für ein Kreuzfahrtschiff der DDR ist zwar eine schöne Botschaft, wirkt aber etwas höhnisch, vor dem Hintergrund  der eigenen Unfreiheit. Freies Denken und globale Bewegungs- und Reisefreiheit sind uns Menschen augenblicklich noch wichtiger als finanzielle Unabhängigkeit – sonst wären wir alle selbstverantwortlich, selbständig und freiberuflich tätig, auch als Dienstleister in der Industrie, oder im Handwerk.

Problem wie auch Chance einer Gesellschaft bestehen also darin, wie offen wir als Menschen dafür sind(->Toleranz) unsere selbst erschaffenen Gruppen um neue Mitglieder und damit auch um neue Denkweisen zu erweitern, oder ob wir lieber in Abgrenzung und dumpfe Feindbildpflege verfallen, um in diesen Gruppen Bestätigung und Anerkennung zu bekommen. Die Idee des Weltbürgertums(engl. Global Citizenship) erfordert – fast schon paradoxerweise – die Überwindung  jeglicher Grenzen die wir – mehr oder weniger freiwillig – im eigenen Kopf zwischen unserem Ich, unserem Ego, unserem Körper und der Menschheit als Ganzem angstgesteuert hochziehen. Rechtspopulisten schüren diese Ängste gezielt, unterliegen ihnen aber auch in gleichem Maße. Wenn wir nationalistische Schranken abbauen wollen, dann müssen wir diesen Menschen auch helfen ihre Ängste zu besiegen.

Inzwischen gibt es eine sehr große internationale Gemeinschaft, in der wir zumindest technisch, aber auch sehr häufig auch sprachlich schon über alle Grenzen hinweg miteinander verbunden sind, das Internet. So wie bei Staatsbesuchen Protokolle zum Austausch von Höflichkeiten eine wichtige Rolle spielen, so unabdingbar sind Protokolle für den technischen Austausch von Information und Kommunikation  – und manchmal auch zur Nettiquette. Nationalismus wird natürlich auch im Internet noch gepflegt, zum Beispiel durch nationale Domainendungen wie .de, .fr usw. So wie wir als Menschen über Namen und  Adresse auffindbar sind, so sind wir auch im Internet über unsere IP-Adresse erreichbar. Das für die Adressierung unseres Nachrichtenaustausches verantwortliche TCP/IP-Protokoll, unser Postbote sozusagen, stellt sicher, dass wir alle Informationen und Nachrichten erhalten, die an unsere IP-Adresse gerichtet sind. DNS-Server als Adressverzeichnisse stellen sicher, dass unsere IP-Adressen im weitverzweigten Internet auch gefunden werden, gerade so wie im richtigen Leben. Der Begriff  DNS-Server zeigt übrigens eine bemerkenswerte Koinzidenz zu unserer biologisch-genetischen DNS Funktionalität auf, ich werde in einem weiteren Artikel detaillierter auf die Ähnlichkeiten dieses doppelten, aber doch einfachen DNS-Prinzips eingehen.

Wie wir also sehen können, ist das Internet unserer ideologischen, politischen, kulturellen, sozialen und biologischen Ausrichtung und Ordnung hinsichtlich der Globalisierung um einige Jahrzehnte voraus. Grundsätzlich ist damit auch schon festgeschrieben wo unser sozialer und politischer Weg hingehen wird. Die Idee des Weltbürgertums und damit auch die Abkehr vom Nationalismus wird im Internet vorgelebt und ist unter anderem in vielen großen internationalen Facebook- Gruppen sozusagen bereits „in Bits gemeißelt“. Die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Krieg in Nahost, Hunger und Elend, schreien nach gemeinsamen globalen Lösungen. Die werden wir aber nur bekommen, wenn wir bereit sind nationale Schranken zu überwinden. Dazu brauchen unsere Politiker auch unseren Auftrag und deshalb muss Weltbürgertum – Global Citizenship erst einmal Ausdruck unseres politischen Willens werden.

 

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