Solidarität oder Konkurrenz ?

Wir sind auf der Stufe der Nationalökonomien hängen geblieben und erleben jetzt, dass ein gemeinsamer Euro mit nationalökonomischen Profit- und Wachstumsfantasien nicht vereinbar ist. Die produktiveren, stärkeren Ökonomien wirtschaften die schwachen Ökonomien an die Wand. Das haben viele Ökonomen so vorausgesagt, aber politische Eitelkeit hat sich damals über ökonomischen Sachverstand hinweggesetzt.

Steuern dienen zur Finanzierung des Gemeinwesens und des Gemeinwohls. Auf dem Weg von der bäuerlichen Selbstversorgungsgesellschaft zur arbeitsteiligen globalen Industrie- und Wissensgesellschaft scheint uns der Sinn für das Wesentliche einer Solidargemeinschaft abhanden gekommen zu sein: Das gegenseitige Überleben zu sichern. Ein Staatsdefizit ist nichts anderes als die in € oder $ ausgedrückte Summe aller Verstöße gegen das Gemeinwohl eines Staates durch alle daran beteiligten Akteure.

Die entscheidenden Fragen, vor die wir uns immer wieder gestellt sehen, sind doch ganz einfach folgende:

1. In welchem Umfang betrachten wir uns als eine Solidargemeinschaft ? Auf welcher Beziehungsebene sind wir überhaupt bereit Solidargemeinschaften einzugehen ? Nur auf persönlicher, familiärer, oder auch auf kommunaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene ? Was hindert uns daran, den Weg von der Nationalökonomie zur Euroökonomie konsequent fortzusetzen ? Ökonomie, vom griechischen Wort Oikos für Haus abgeleitet, bedeutet schlicht und ergreifend Hauslehre. Also erfordert Ökonomie erst einmal die Größe, den Umfang, des gemeinsam zu bewirtschaftenden Hauses zu definieren. Unser globales Haus hat Millionen Leichen im Keller. Es ist feucht, es zieht, es besteht akute Brandgefahr.

2. Was erfordert eine funktionierende Solidargemeinschaft ?

In einer Solidargemeinschaft kann erwartet werden, dass jeder sich gleichermaßen für sich und seine Mitmenschen engagiert. Auf eine Weltbevölkerung von 7 Mrd. Menschen runtergebrochen macht mein Anteil daran ca. 0,00000000014 % aus, der Rest meines Engagements, meiner Wertschöpfung, meines Verdienstes, meines Gewinns, fast genau 99,99999999986 % sollte also der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, ganz einfach in Zahlen ausgedrückt. In dieser Solidargemeinschaft wäre jeder mit allem versorgt, was er zum Leben bräuchte. Das wäre dann auch der (globale) Steuersatz bei dem ein bedingungsloses Grundeinkommen mit Sicherheit möglich wäre. In Deutschland wäre der Steuersatz, gerechnet mit 80 Millionen Solidariern, 99,9999988 %. Die Höhe der Steuern, die wir bereit sind für unser Gemeinwesen zu zahlen, drückt nichts anderes aus, als unsere Bereitschaft zum Gemeinwohl beizutragen. Das, was wir nicht bereit sind zu zahlen, darf man getrost Egoismus nennen.
eco

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