Eine Allianz für das Leben ?

Wenn der Versicherungsvertreter in die Schule kommt( aus dem Textarchiv der Berliner Zeitung vom 01.10.2011)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/1001/seite1/0065/index.html

Unternehmen stellen immer häufiger Unterrichtsmaterial. Verbraucherschützer sind alarmiert

Katja Tichomirowa

Willkommen bei My Finance Coach – planen, sparen, kaufen für Kinder und Jugendliche: So sieht sie aus, die schöne neue Welt der Unternehmen Allianz, Grey und McKinsey. Damit Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 bis 10 Grundkenntnisse wirtschaftlichen Handelns erwerben können, stellen der Finanzdienstleister Allianz, die Werbeagentur Grey und die Unternehmensberatung McKinsey das Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Kostenlos.

Die Allianz kommt gern auch direkt in die Schule. „Didaktisch und methodisch geschulte Mitarbeiter der Allianz gehen in die Schulen und stehen dort als Experten aus der Wirtschaft vor Ort zur Verfügung“, heißt es in der Werbebroschüre von „My Finance Coach“. Ein „Full Service- Paket“, abgestimmt auf die „Bedürfnisse der Lehrer“ und „angepasst an die entsprechenden Lehrpläne“.

Wem das unheimlich ist, der durfte sich am Freitag vom Vorstand der Bundeszentralen für Verbraucherschutz (VZBV) bestätigt fühlen. „Immer mehr Wirtschaftsunternehmen drängen mit eigenen Unterrichtsmaterialien an die Schulen“, erklärte der VZBV-Vorstandsvorsitzende Gerd Billen.

Auf die Interessen der Unternehmen, die hinter diesen kostenfreien Unterrichtsmaterialien stecken, soll künftig das Onlineportal „Materialkompass“ hinweisen, das Billen gemeinsam mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag vorstellte. Es soll Lehrer über die Qualität und Praxistauglichkeit der Angebote aufklären. Das Angebot der „gemeinnützigen“ Initiative My Finance Coach wird da wenig wohlwollend beurteilt: Die Schulbesuche von Allianzvertretern seien „bedenklich und mit dem Allgemeinbildungsauftrag der Schulen nicht zu legitimieren.“ Tatsächlich drohen die Initiativen vieler Wirtschaftsunternehmen das staatliche Bildungsmonopol zu unterlaufen.

Doch die chronische Unterfinanzierung der Schulen reißt Lücken auf, in die leicht vorzudringen ist. Interessierte Unternehmen finden bereits Unterstützung durch Agenturen, die sich auf „Bildungskommunikation“ und die „Kernzielgrupe Kinder und Jugendliche“ spezialisiert haben. Die sei über klassische Kommunikationskanäle schwer zu erreichen, heißt es auf der Webseite der Agentur Capito. Im Kindergarten und in der Schule werde sie allerdings „ohne Streuverluste sowie intensiv und nachhaltig“ erreicht. So verspricht Capito seinen Kunden: „Wir unterstützen ihr Bildungsengagement mit gezielter PR-Arbeit und aufmerksamkeitsstarken Aktionen, auch Below-the-line.“ Aus dem Werbekauderwelsch übersetzt heißt das: unterschwellige Werbung, demnächst auch im Kindergarten.

Kommentar:  Müssen der Allianz erst  Versicherungen gekündigt werden bis das wieder aufhört ?

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